Wie kommt es zur Pleite und wie kannst Du es verhindern?

Der Hauptkunde fällt aus

Ja, es ist schwierig und kompliziert so etwas verständlich darzustellen.

Es gibt ja so viele Möglichkeiten in finanzielle Schwierigkeiten zu kommen! Fangen wir daher erst mal mit dem Thema Hauptkunde an. Ok, Du sagst, dass dies offensichtlich ist und vielleicht nicht bis zu Ende lesen. Aber es ist wie bei allen guten Geschichten, die Pointe kommt am Schluss! Also halte durch :).

By the way, der Schreiberling dieses Blog Artikels – also ich – heiße Frank, und bin Mitgründer von FinanzGeek und habe über 17 Jahre Erfahrung im Bereich Datenauswertung von insolventen Unternehmen. Vorträge oder Einsätze als CRO sind auch eine Leidenschaft von mir.

Los geht´s:

Leben ist Veränderung, auch und vor allem im Bereich eines Unternehmens. So kann es vorkommen – und das kennst Du wahrscheinlich (ich hoffe das Du ist OK ) – dass besondere Vorkommnisse das Geschäftsmodell in Teilen beschleunigen oder auch das komplette Gegenteil bewirken. Das können Gesetzesänderungen sein oder auch Subventionierungen des Staates bzw. deren Wegfall.

Plötzliche Ereignisse setzen oftmals einen langwierigen Sterbeprozess in Gang. Hört sich komisch an, ist aber ganz oft der Fall. Beispiel gefällig? Nehmen wir mal an, Dein Hauptkunde fällt auf Grund eigener Schwierigkeiten aus. Sagen wir Dein Hauptkunde ist mit über 40% für Deinen Umsatz verantwortlich. Hinzu kommt, dass Du schon seit Monaten Deinem Geld hinterhergerannt bist. Zahlungen kamen erst schleppend, dann erst einmal gar nicht mehr. Dann hast Du wahrscheinlich einen Anwalt oder ein Inkassobüro beauftragt. Weil man ja helfen will (man kennt sich seit Jahren) hast Du eine Ratenvereinbarung für die Altschulden akzeptiert. Hat auch nichts gebracht, weil die Raten nicht pünktlich bezahlt wurden und die Neubestellungen auch nicht. Schlussendlich könnt Ihr die Altforderung ausbuchen, weil Euer Hauptkunde Insolvenzantrag gestellt hat. Dieses fiktive Szenario kommt übrigens im wahren Unternehmerleben nicht so selten vor.

 

Was passiert als Nächstes?

Dein Personalstamm und Deine Kosten sind auf einen wesentlich höheren Umsatz ausgerichtet. Wie schnell kannst Du Deinen Hauptkunden durch einen neuen Kunden ersetzen – die Kosten laufen ja erst einmal ungebremst weiter. Mitarbeiter spontan entlassen mit denen man jahrelang, vielleicht auch privat, Kontakte gepflegt hat?! Hmmm, das ist alles oftmals nicht so einfach! Also Prinzip Hoffnung, der nächste Auftrag macht alles wieder gut. Spätestens jetzt solltest Du Dich fragen, warum Du einen hohen Anteil Deines Umsatzes an einen Auftraggeber gebunden hast. Ist aber manchmal einfach so und aus der Historie bedingt und nicht zu ändern.

Egal, es ist wie es ist – also weiter. Was passiert als Nächstes?! OK, Du hast sofort reagiert. Bestenfalls hast Du die Lücke kurzfristig schließen können und alles läuft wieder normal. Schlimmstenfalls hat das nicht funktioniert und Du brauchst Geld von der Bank. Warten ist in diesem Zusammenhang schlecht, da sich Deine Kapitaldienstfähigkeit mit Zuwarten ständig verschlechtert und Du höchstwahrscheinlich ein Liquiditätsproblem bekommst. Wenn Du dann zu lange wartest, sind Deine Finanzkennzahlen nicht mehr so hübsch, was auch Deine Bank recht schnell erkennt. Da wird es mit einem Liquiditätskredit dann schon ziemlich eng. Kannst Du das Ding mit der Liquidität nicht lösen, kommt eine Spirale in Gang. Skonto kannst Du nicht mehr abziehen, weil Du nicht mehr in der Skontofrist bezahlen kannst. Weil Deine Zahlungsmoral für Deine Zulieferer sichtbar nachgelassen hat und Du ständig 2. und 3. Mahnungen kassierst (also von Deinen Gläubigern) gibt´s nur noch Material gegen Vorkasse. Da fehlende Liquidität ja der Ursprung allen Übels ist, kannst Du jetzt nicht mehr Deine Mitarbeiter sinnvoll einsetzen, sondern musst ständig schauen, welches Material ist vorhanden und wo werden die Mitarbeiter eingesetzt. Unproduktivität wird virulent. Das dies auf Dein Ergebnis negative Auswirkungen hat dürfte klar sein.

Glaubst Du nicht?! Doch, ist genauso. Aus dem Nähkästchen geplaudert ist dies oftmals der Grund für eine Insolvenz. Sehr schnell entstehen so z.B. ineffiziente Strukturen, welche einfach Geld verbrennen.

Wir sind positiv! Die Auftragslage hat sich verbessert und Du ziehst Dich langsam an den eigenen Haaren wieder aus dem Sumpf heraus. Perfekt, super, geschafft!

Nachdem für Dich die Situation durchgestanden ist, passiert Folgendes: Es ist Montagmorgen und gutgelaunt hast Du Platz an Deinem Schreibtisch genommen; um 8 Uhr kommt die Post. Da ist ein komischer Brief drin. Da steht was von Insolvenz von Deinem Hauptkunden. Ein Rechtsanwalt, genauer ein Insolvenzverwalter schreibt da. Du sollst an die Insolvenzmasse jetzt Geld bezahlen. 50.000 EUR, doch so wenig! Gerade kippt Dir der Kaffee aus der Hand, das ist genau die Summe, die Du von Deinem Hauptkunden gerade noch so bekommen hast.

Bisschen Spannung muss ja sein . In Teil II (die Sache mit der Insolvenz des Kunden) gibt’s dann klare Tipps was Ihr in einem solchen Fall machen solltet und was nicht.

Ach ja und by the way: Du kannst das Zahlungsverhalten Deiner Kunden über Monate hinweg mit der FinanzGeek App nachverfolgen. Gibt es da Auffälligkeiten, informiert Dich Dein FinanzGeek darüber und Du kannst frühzeitig reagieren.

Bis bald…