Cash ist King, Liquidität ist der Motor des Wachstums!

Corona Update zum Artikel:

Auch dieser Blogbeitrag wurde bereits Februar 2020 geschrieben. Die Covid-19 Pandemie hat seither die Situationen teilweise auf den Kopf gestellt. In normalen Zeiten gilt das hier geschriebene und wir hoffen, dass sich die Situation so schnell wie möglich normalisiert.

Was du jedoch beachten musst, ist das durch die Covid-19 Gesetzgebung gewisse Dinge nunmehr problematischer sind. Die Risikoprüfung ganzer Branchen ist für Drittanbieter jetzt umso schwieriger.

Nimm nur deine Bank. Woher soll die wissen, wie sich dein Geschäftsmodell weiter entwickeln wird. Werden deine Kunden in Schwierigkeiten kommen? Werden deine Kunden noch pünktlich bezahlen oder sich auf die COVID-19 Bestimmungen zurückziehen (Aussetzung von Zahlungen).

Wie sieht es bei dir selber aus? Du hast zwar nicht die Verpflichtung Insolvenzantrag zu stellen, wenn es schlecht läuft, aber wenn du nur dein Kontokorrent ausnutzt obwohl du weißt, dass sich die Situation nicht mehr bessern wird ist die Gefahr eines Eingehungsbetruges nicht mehr weit.

Klare Empfehlung von mir ist in diesen Zeiten auf Vorkasse zu bestehen und sich gesund zu schrumpfen, wenn du absehbar Einschränkungen bei deinem Geschäftsmodell siehst. Besser wenn noch Liqui vorhanden ist, als das ganze verspätet anzugehen, wenn nichts mehr geht. Irgendwann wird auch die nicht vorhandene Pflicht zur Insolvenzantragstellung wegfallen.

Wenn sich alles wieder normalisiert hat, dann kannst du dir meinen Blogbeitrag aus Februar 2020 zu Herzen nehmen

Wie du schnell und einfach deine Liquidität erhöhen kannst

Und es stimmt, ohne ausreichende Liquidität bist du nicht frei. Nicht frei in deinen Entscheidungen, nicht frei in der Wahl deiner Kunden, nicht frei bei deinen Investitionen und nicht frei und offen für deine Weiterentwicklung.

Eigentlich ist es ganz einfach, aber oftmals ist es nicht so einfach alles erforderliche in Deinem Unternehmeralltag umzusetzen.

Die Konzentration auf dein Kerngeschäft und deine Kunden ist essentiell, aber eben nicht alles. Nebenbei muss auch noch der ganze administrative, lästige Kram erledigt werden den du eigentlich gar nicht willst, brauchst, oder wie auch immer.

Rechnungen und Mahnungen

Unglaublich aber wahr: Viele Unternehmen mit denen ich zu tun hatte waren sehr nachlässig im Bereich Rechnungsstellung und Mahnwesen. Das hat dazu geführt, dass die Kunden automatisch die Spielräume immer weiter ausgereizt haben. Auch das Thema Nachträge gehört dazu. Oftmals wurden Arbeiten erledigt und simpel und einfach nicht und schon gar nicht zeitnah abgerechnet. Ein automatisiertes Mahnwesen gab es so gut wie nie. Hierauf solltest du verstärkt dein Augenmerk richten, da eine rechtzeitige Rechnungsstellung dir deine Liquidität sichert.

Effizienz der internen Abläufe

Ineffizienz ist auch so ein Thema. Immer wieder konnte ich feststellen, dass Mitarbeiter nicht effizient eingesetzt wurden oder Kommunikationswege einfach zu kompliziert, zu lange oder was auch immer waren. Eine einheitliche Datenlage für die Beteiligten ist wichtig. Insbesondere ist wichtig, dass das Team jederzeit Zugriff auf die relevanten Daten erhält. Sei es Verträge, Leistungsbeschreibungen, Sondervereinbarungen oder was auch immer.

Ich bin mir sicher du kennst das, wenn der Kunde dem Mitarbeiter etwas auf der Baustelle andient, was gar nicht in deinem LV enthalten ist und der Mitarbeiter einfach mal macht, ohne vorher kommuniziert zu haben. Bei Kleinigkeiten ist das ja auch sinnvoll, blöd wird es, wenn z.B. der Rohbau steht und der Kunde zum Mitarbeiter sagt, dass das Fenster doch 50 cm weiter links mit dir besprochen gewesen sei und der Mitarbeiter versetzt es sofort. Drastisches Beispiel, stimmt schon. Ähnliche Beispiele gibt es für jede Branche.

Digitalisierung

Manchmal macht ausreichende Liquidität auch faul und man ist geneigt sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Und sind wir ehrlich, seit 2008 ging es für viele in den meisten Branchen sehr gut und der Erfolgspfeil zeigte ständig nach oben. Ich kann mich an Zeiten erinnern (das war so ab 2000) wo in vielen Gegenden die Nachfrage nach Neubau innerhalb von wenigen Monaten Richtung Null tendierten. Hab gerade noch mal gechecked, Statista erinnert sich auch.

Im Prinzip nichts Schlimmes, wenn man erkannt hatte, dass man frühzeitig die Weichen für Szenarien stellen sollte, die das Geschäftsmodell auf die Probe stellen könnten. Heute heißt das Zauberwort Digitalisierung. Wenn man jedoch für Digitalisierung erst mal 10 Programme braucht und jeweils teure Schulungen dazu, dann läuft aus meiner Sicht etwas schief. Digitalisierung sollte immer mit Vereinfachung einhergehen und weitgehend automatisiert. Zudem solltest du Dir Produkte raussuchen die auf dich passen und nicht Produkte deren Potential du zwar bezahlst, aber 90% nicht nutzt. Auf jeden Fall bringt dich Digitalisierung weiter, wenn Sie effizient implementiert wurde. Sie spart dir Aufwand, Zeit und Nerven und gibt dir im besten Fall noch die Sicherheit vieles richtig zu machen (oder auch falsch). Aber dies nur am Rande.

Konkrete Maßnahmen

Back to Topic – Damit du ohne unvorhergesehenen Ärger immer liquide bleibst, solltest du das nachfolgende bitte beachten:

  • Angebots-, Rechnungs- und Mahnwesen im Griff?
  • Kommunikation mit dem Team und kurzfristige Entscheidungswege gegeben?
  • Liquiditätsprobleme siehst du schon Wochen vorher auf Dich zukommen?
  • Digitalisierung Up to Date?
  • Den Einkauf hast du auf dem ständigen Prüfstand?
  • Nachkalkulation ist kein Fremdwort für dich? Also zeitnah?
  • Deine Kostendeckungsbeiträge hast du kalkuliert, also mit Overhead und so weiter?
  • Marketing, Marketing, Marketing. Neue Kanäle bearbeitest du mit Begeisterung?! Entwicklungen erkennst du frühzeitig?
  • Kannst du deine BWA lesen und Rückschlüsse ziehen? (Korrespondiert mit dem Punkt davor)
  • Deine Maschinen sind veraltet, aber irgendwie laufen die ja noch oder oft auch nicht? (Korrespondiert mit dem nachfolgenden Punkt).
  • Du kennst dein Investitionspotential? Also wieviel kannst du auf Grund deiner Kapitaldienstfähigkeit investieren?! (Damit meine ich nicht in eine Luxus-Automarke ? ) Zur Erklärung: Mit der Kennzahl Kapitaldienstfähigkeit lässt sich hochrechnen, wieviel dir die Bank an Kredit geben würde.
  • Fördermittelmöglichkeiten kennst du auch (korrespondiert mit dem vorhergehenden Punkt)
  • Factoring ist kein Fremdwort für dich? Hier gibt es mittlerweile gute Angebote gerade für kleine und mittlere Unternehmen oder auch Freiberufler. Das sind die Jungs, die dir sofort die Asche überweisen, wenn du die Forderung an diese abtrittst. Gut, ein kleiner Einbehalt muss sein, die müssen ja auch von was leben. Aber du kannst wahrscheinlich das Ganze wieder mehr als wett machen, wenn du deine Rechnungen mit Skonto bezahlst. Ein Vergleich von mir mit Vor- und Nachteilen wird es später in diesem Blog geben. Einfach mal auf Insta folgen (finanzgeek_app) und du wirst sehr gerne von uns auf dem Laufenden gehalten.
  • Erhöhung Deiner Kontokorrentlinie. Hier wird die Bank Zahlen verlangen, also BWA´s der letzten Monate, Bilanzen, Steuererklärungen und evtl. andere Unterlagen. Du hast das alles parat? Wichtig ist, dass die Banken auch Schufa Abfragen durchführen. Dazu musst du wissen, dass einige Dinge sich schädlich auf Dein Ranking auswirken. Das können z.B. Lastschriftrückläufer sein oder auch die Nichtausführung von Daueraufträgen. Pfändungen sowieso. Natürlich auch Rückstände von Darlehensverpflichtungen, auch bei anderen Banken und Einiges mehr. Wenn du z.B. den Aufforderungen deiner Bank zur Abgabe deiner Zahlen nicht Folge leistest (z.B. die evtl. monatliche Abgabe Deiner BWA), wird sich dies auch auf die Risikobeurteilung der Bank auswirken. Die Konsequenz ist entweder, dass du zu schlechteren Konditionen Geld erhältst, oder im schlimmsten Fall gar nicht. Daher ist es wichtig, solche Vorhaben sehr früh umzusetzen, nämlich wenn du evtl. mit einem Liquditätsproblem rechnest, sich dies aber noch nicht signifikant in deinen Zahlen widerspiegelt. Natürlich solltest du wissen, dass das Geld nur geliehen ist und die Prognose für dein Unternehmen gut ist.
  • Kannst du das Zahlungsziel mit deinen Lieferanten anpassen? Das verschiebt die Fälligkeiten deiner Zahlungen natürlich nur nach hinten und verschafft kurzfristige Liquiditätsverbesserung.
  • Ratenzahlungsvereinbarungen mit deinen Lieferanten. Hierzu solltest du auch insbesondere darauf achten, rechtzeitig mit deinen Lieferanten zu kommunizieren. Wie du das machst und was zu beachten ist liest du später in einem extra Blog.

Du hast dir die kostenfreie Version des FinanzGeek noch nicht heruntergeladen? Hier geht’s zum Download: